Ich bin vor ein paar Tagen beim Surfen durch’s Netz auf etwas gestossen, dass mich sehr nachdenklich gemacht hat:
Letzten Dienstag vor genau 30 Jahren haben sich über 900 Mitglieder einer Sekte mehr oder weniger freiwillig selbst vergiftet. Die Mitglieder des “Peoples Temple” mit ihrem selbsternannten “Father” Jim Jones waren etwa ein Jahr zuvor nach Guyana ausgewandert. Sie lebten dort in “Jonestown”, einer eigens von der Jim Jones gegründeten Siedlung mitten im Dschungel. Harte Arbeit und Kontrolle durch den “Father”, vermischt mit ständigen “Predigten”, Druck und Bestrafung und einer Paranoia vor Bedrohung durch die USA, bzw. das FBI prägten den Alltag. Als dann ein Jahr später wirklich ein US Abgeordneter nach Jonestown reiste, überzeugte jones seine Anhänger, gemeinsam Selbstmord zu begehen, als Protest gegen die Welt, so wie sie ist.
Es ist so krass, wie ganz normale Menschen sich solch einer Sekte anschließen und einem Menschen total verfallen und blind gehorchen!!! Am Anfang sah das ganze auch noch ganz attraktiv aus: Jones setzte sich z.B. für eine Gemeinschaft ohne Rassenschranken ein - zu einer Zeit, in der Schwarze und Weiße auch im Gottesdienst streng getrennt saßen.
Doch mit der Zeit wurde seine Gruppe immer schräger - für seine Anhänger war das Glaubenssystem völlig logisch und folgerichtig: Das erschreckt mich noch mit am meisten, denn ich habe mitlerweile etwas nachgedacht und denke, es ist relativ leicht, in einem System so involviert zu sein, daß man Glaubensgrundsätze und Strukturen nachvollzieht, versteht und völlig logisch findet, die von außen betrachtet ziemlich absurd erscheinen.
Ein wirklich guter Artikel dazu steht in der “Geo kompakt”, die ich mir gestern gekauft habe.
Da ist übrigens in einem Artikel auch etwas über die Jesus Freaks berichtet, sogar durchaus wohlwollend. Eine große Stuttgarter Freikirche kommt da nicht so gut bei weg, der Autor beschreibt deren durchgestylten Gottesdienst mit “Rundumversorgung wie bei IKEA” eher als Verkaufsveranstaltung. Überhaupt mußte ich öfter über die Wortwahl des Autors schmunzeln. Einige Beispiele: “Hochleistungspilger” - die immer vorne wandern - “Glaubens Sampler” über einen Zen Meister und zugleich Benediktinermönch und als Beschreibung über Musik auf dem Freakstock: “Das ist etwas ungewohnt für Menschen, die unter christlicher Popmusik Gospel-Rock oder den Jammer-Soul eines Xavier Naidoo verstehen [...] Hier (auf dem freakstock) erträgt man hoch spezialisierte Extrem-Musik, ohne mit der Wimper zu zucken.”
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